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Das Geschlecht der Ludowinger hatte seit der Mitte des 11. Jahrhunderts
die Macht. Mitte des 12. Jahrhunderts erhielt es die thüringische Landgrafenwürde. Die Ludowinger erbauten im 11. Jahrhundert die
Wartburg und
das Kloster Reinhardsbrunn und strebten danach, die ein
heimischen Grafenhäuser
unter ihre Landeshoheit zu zwingen. Mit Heinrich Raspe, dem deutschen
Gegenkönig des hohenstaufenschen Kaisers Friedrich IL, starben die Ludowinger
aus. Im thüring- ischen Erbfolgekrieg im 13 Jahrhundert setzten die Wettiner ihre
Ansprüche durch, gewannen die Vormacht über die thüringischen Grafenhäuser und
erwarben weitere Territorien hinzu. Das
Kloster Reinhardsbrunn war das Hauskloster der thüringer Landgrafen. Die
Besitzungen dehnten sich im Laufe der Jahrhunderte über ganz Thüringen aus.
Ihre territorialpolitische Bedeutung basierte auf der Tatsache, daß die
Landgrafen gleichzeitig auch Vögte des Klosters waren und somit unmittelbar
politisch einwirken konnten. Bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts war das
Kloster Reinhardsbrunn das geistige Zentrum der Landgrafschaft. Hier
entstand in dieser Zeit eine berühmte Briefsammlung und der erste Versuch der
Reinhardsbrunner Geschichtsschreibung entstammt auch dieser Zeit. Die
vielzitierten ,,Reinhardsbrunner Fälschungen" des 12 Jahrhunderts
behaupten unter anderem die königliche Abstammung der Ludowinger, weiteten
Besitztitel aus und schrieben die Verleihung des Burgbaurechtes vor die Mitte
des 11. Jahrhunderts zurück, als es noch allein dem König vorbehalten war.
Offenbar sind diese "Fälschungen" Reflektionen auf die Gründung des Klosters
Georgenthal. Martin
Luther stattete 1521 auf seinem Weg zum Reichstag nach Worms dem Kloster
Reinhardsbrunn einen Besuch an. 1525 wurde das Kloster im Deutschen Bauernkrieg
erheblich zerstört und anschließend aufgelöst. Danach wird Reinhardsbrunn nur
noch als Amt erwähnt, das die ehemaligen Klostergüter verwaltete. Zugleich
benutzten es die sächsischen Kurfürsten als Jagdhaus. Im
16. Jahrhundert verfielen dann die Klostergebäude. Mit
dem Bau eines Amtshauses durch Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen- Weimar beginnt
1601 ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Reinhardsbrunn. Dieses Gebäude
trägt später die Namen ,,Saalhaus" oder ,,Hirschgalerie". 1610 wird
ein neues Gebäude, die spätere ,,Kirchgalerie" hinzugefügt. Heute
befinden sich darin das Hotelrestaurant und ein Teil der Hotelzimmer. Ein Jahr
danach, 1611, entsteht das ,,Hohe Haus" mit der herzoglichen Wohnung und
der Dienstwohnung sowie den Amtsräumen des Amtsrichters. An der Stelle der
heutigen Durchfahrt stand ein Gebäude in dem der Münzmeister wohnte. Den
ganzen Gebäudekomplex umgab die frühere Klostermauer, die auch heute noch
teilweise vorhanden ist. Die Schloßgebäude waren darüber hinaus noch durch eine
weitere Mauer geschützt. Die Teiche wurden bereits in der Klosterzeit angelegt.
Die
baulichen Anlagen im 17. Jahrhundert sind mit dem heutigen Grundriß identisch.
Da vom Kloster bis auf die Klostermauer keine Bausubstanz erhalten geblieben
ist, wird angenommen, daß die neuen Bauwerke auf den alten Grundmauern
errichtet wurden. Zahlreiche Nebengebäude, Marstall, Zeughaus, Back- und
Waschhaus und die Mühle entstanden ebenfalls in dieser Zeit. Die
Teilung des Herzogtums Sachsen- Weimar und die Neubildung des Herzogtums
Sachsen-Gotha, später Sachsen Gotha - Altenburg veränderten zwar die Herrschaftsverhältnisse,
bewirkten aber nur geringfügige Veränderungen am Schloß. So entstand im
Obergeschoß der noch heute vorhandene ,,Ahnensaal" mit zwei Nebenräumen. Das
Aussterben des Gotha-Altenburgischen Herzogshauses 1825 verursachte wiederum
einen Besitzwechsel zum Herzogtum Coburg-Saalfeld, später Coburg-Gotha. Vom
Herzog Ernst 1. wurde ein völlig neuer Abschnitt der Entwicklung eingeleitet.
Der von neogotischen Arbeiten Schinkels inspirierte Architekt Gustav Eberhard
schuf ein Bauensemble, das eines der wenigen frühen Beispiele neogotischer Architektur
in Thüringen ist. Die Vorgaben für den Architekten, in den Um- und Neubau
weitgehend die aus dem 17. Jahrhundert stammende Bausubstanz einzubeziehen,
wirkten sich auf Grundriß und Höhe aus.
Die
Umbauarbeiten in den Jahren 1827 bis 1835 wurden durch Schwächen an den
bestehenden und in den Umbau einbezogenen Gebäudeteile erschwert. Die Westseite
vom ,,Hohen Haus" und ein Teil der Westseite der ,,Hirschgalerie"
mußten völlig neu aufgebaut werden. Die unterschiedlichen Bauetappen lassen
sich bei intensiver Betrachtung noch gut erkennen. Die gegenwärtige Form der
Einfahrt in den Schloßhof entstammt dieser Zeit. Im Erdgeschoß, in dem sich
heute die Hotelrezeption befindet, war ursprünglich ein Speisesaal mit zwei
Nebenräumen untergebracht. Die Salons im ersten Obergeschoß und der über der
Durchfahrt gelegene ,,Ahnensaal" mit den Porträts der Ludowinger sind
heute wegen ihrer interessanten Gestaltung besonderen Veranstaltungen
vorbehalten.
Nach
1835 trat zunächst eine Unterbrechung der Umbauarbeiten ein. Erst 1845 wurden
sie mit dem Umbau der ,,Kirchgalerie" fortgesetzt und 10 Jahre später mit
Veränderungen im ,,Hohen Haus" weitergeführt. Der Neubau der Schloßkapelle
im neoromanischen Stil dauerte bis zum Abschluß der Innenarbeiten im Jahre
1874. Der turmartige Ausbau neben dem Treppenturm des ,,Hohen Hauses" ist
erst in den letzten Jahren des 19. Jahrhundert entstanden. Die
Gothaer Herzöge nutzten im 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
das Schloß Reinhardsbrunn vorrangig als Jagdschloß und Sommersitz.
1945 wurde das Schloß
Reinhardsbrunn in das Eigentum des Volkes überführt. Zunächst bis 1961 diente
es als Schulungsstätte der Feuerwehr und Volkspolizei. Seit 1961 war es ein
Hotel des VEB Reisebüro der DDR, das Teil der 1973 gebildeten Hotelbetriebe
Reinhardsbrunn zusammen mit dem Parkhotel wurde.
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