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Residieren wie im Schloss
verheißt das Hotelprospekt. Und es verspricht damit nicht
zu viel. Zwar ist das Kavaliershaus "nur" eine Miniaturfassung des ein paar
Schritte weiter liegenden prachtvollen Schlosses Reinhardsbrunn - indes nicht
minder eindrucksvoll in Architektur und landschaftlicher Einbettung. Gefügt aus
leuchtend beigerötlichen Sandsteinquadern, mit Treppengiebeln und zum Teil
neogotischen Fensterbögen, mit imposantem, das Gebäude überragenden
quadratischen Turm, von dem wiederum mit Zinnen verbundene Ecktürmchen aufragen
- präsentiert sich das Haus im Stil eines englischen Tudor-Schlösschens. Und
als sei es selbst von seiner Schönheit überzeugt, zeigt es sich dem Betrachter
gleich zweifach: nämlich auch im Spiegel des zu Füßen liegenden Sees. Umgeben
von einem herrlichen Park mit altem Baumbestand, Rotbuchen und Winterlinden,
Eschen, Eichen und Birken - die legendäre "Mönchslinde" wird auf 800 Jahre
geschätzt - findet der Gast hier jene Oase der Ruhe, die sprichwörtliche "Insel
der Seligkeit", die in unserer modernen Zivilisation immer seltener wird.
Wir sind in einem der schönsten
Häuser der Travel Charme Hotels, die sich, Perlen gleich, Über einzigartige
Orte insbesondere der neuen Bundesländer verteilen. Das "Kavaliershaus" macht
seinem Namen alle Ehre - nur dass es heute nicht Höflinge und fürstliche Gäste,
"Kavaliere" eben, beherbergt wie im vorigen Jahrhundert, sondern normale
Zeitgenossen. War doch Reinhardsbrunn - 1828 bis 1832 errichtet auf den
Grundmauern eines alten Benediktinerklosters aus dem 11. Jahrhundert -
Jagdschloss und Sommerresidenz des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha. Herzog
Ernst I. galt als der "Schwiegervater Europas". So ehelichte Sohn Albert getreu
den Geboten feudaler Hausmachtpolitik seine Cousine Victoria, damals Königin
von England. Kein Wunder, dass die Hoheiten und Verwandtschaften von weit her
kamen und sich in Reinhardsbrunn die Klinke in die Hand gaben, hier ihren
Sommer verbrachten, sich bei Jagden und Festen verlustierten. So waren Schloss
und Kavaliershaus seit je Stätten der Gastlichkeit. Heute indes spricht dafür
letzteres - noch - allein: Seit 1995 wird nämlich das Schloss als historisches
Baudenkmal aufwendig restauriert. Mit Fertigstellung soll zugleich das
Schlosshotel seine Pforten öffnen, so dass sich dann die Gäste und "Kavaliere"
von heute auch wieder dort tummeln können, wo sie es schon früher taten. Zu
DDR-Zeiten wurde das Schloss ab den 60-er Jahren vom Reisebüro als Hotel für
nationale und internationale Gäste genutzt.
Seit der Wende und nach Umbau zum
Hotel steht nun das "Kavaliershaus" stellvertretend für Schloss und Kloster,
für Residenz und Gästehaus einstiger Landgrafen und Herzöge, für Einkehr und
Geborgenheit in einem der schönsten Winkel des Thüringer Waldes. In seinen 19
Zimmern erwarten den Gast stilvolle Vornehmheit, großzügige Raumgestaltung mit
getrennten Wohn- und Schlafzimmern sowie modernster Komfort mit Dusche/WC,
Satelliten-TV, Direktwahl-Telefon und Minibar. Die großen sechsgeteilten
Sprossenfenster holen den romantischen Park gleichsam ins Zimmer. Kein Autolärm
stört den Lockruf des Vogels, das Rauschen des Laubes - die Zeit läuft in
vollendeter Harmonie mit der Natur. Für Nichtraucher und Allergiker stehen
besondere Zimmer bereit. Herzlich willkommen
sind Familien mit Kindern; für sie gibt es Kombinations- zimmer mit
kindgerechter Ausstattung wie auch eine spezielle Kinderspeisekarte.
Gern geht oder besser steigt der
Gast in das Restaurant unterm Dach (60 Plätze) - gestaltet in einer reizvollen
Kombination aus höfischem Interieur und stilvoller Mansarde mit integriertem
Gebälk als Raumteiler, die mehrere intime Separees begrenzen. Hier kann er sich
laben an Köstlichkeiten aus Küche und Keller, an Thüringer Spezialitäten - vom
Wildbraten bis zur Zuchtforelle aus den Reinhardsbrunner Teichen. "Aus Forst
und Flur" empfehlen sich Hirschsahnegoulasch, geschmorte Hasen- oder
Wildschweinkeule - natürlich mit den unverzichtbaren Thüringer Klößen -, auch
Perlhuhnkeule gefüllt mit Steinpilz-Geflügelleber-Farce und mit
Zapfenkroketten, für den Vegetarier die Reinhardsbrunner Pilzpfanne mit feinem
Gemüse und Kartoffelschupfnudeln, für den Petri-Jünger geräuchertes warmes
Forellenfilet, Edellachsroulade oder Seezungenschleife auf Lauchspaghettini.
Dazu eine Weinkarte, die auch den verwöhntesten Gaumen befriedigen dürfte und
die Marken aus allen deutschen Anbaugebieten wie auch von Burgund, Piemont,
Bordeaux, der Toskana oder aus Sizilien bereit hält.
Bei so berühmter Geschichte des
Hauses liegt es nahe, dass es diese auch für die Gäste und Besucher auf
phantasievolle Weise lebendig macht. Die Zeitreise "Sagenhaftes Reinhardsbrunn
- 1000 Jahre Kloster, Schloss und Hotel" entführt vier Tage lang in längst
entschwundene Vergangenheit: am ersten Tag etwa in die Zeit der
Benediktinermönche, als das Kloster hier noch das geistig-religiöse Zentrum der
Landgrafschaft Thüringen war. Bei Spanferkelessen und Mönchstrunk,
Hufeisenwerfen, Bogenschießen und Ritterschlag
wird die einstige Macht von Kloster und Ritterstand vergnüglich und mit
Augenzwinkern herauf beschworen. Am zweiten Tag wird mit einem 5-Gang-Menü,
spätbarocker Musik und in Anwesenheit geschichtlicher Persönlichkeiten jener
Zeit des Besuchs der englischen Königin Victoria in Reinhardsbrunn 1845
gedacht. Thüringer Tradition und Gastlichkeit um die Jahrhundertwende prägen
den dritten und eine futuristische Expedition mit einer Menüfolge aus der
"Küche" des internationalen Feinschmeckerordens Châine des Rôtisseurs den
vierten Tag.
Wer einmal das Vergnügen hat,
Reinhardsbrunn aus der Luft zu sehen und zu erleben, könnte meinen, es versinke
mit seinen markanten historischen Gebäuden in das umgebende, schier unübersehbare dichte Baummassiv des
Thüringer Waldes - der kleine Park im großen Naturpark also. So ist es
wirklich. Die traumhafte Lage verlockt zu Kutsch- und Kremserfahrten oder
Wandertouren zum nahe gelegenen Rennsteig oder zu einer Fahrt mit dem
"Heubergexpress" zum berühmten Kammweg des Thüringer Waldes, vielleicht auch zu
einem Besuch der unweit entfernten Marienglashöhle, die als eine der schönsten
und größten Höhlen in Europa gilt. Wer auf den Spuren der Klassiker, von Kunst
und Kultur wandeln möchte, nutzt gern die mehrtägigen Hotel-Arrangements oder
auch Tagesausflüge zur Wartburg in Eisenach oder nach Weimar mit dem Goethe-
und Schillerhaus, dem Schloss und dem Weimarer Bauhaus, nach Erfurt, einst eine
der reichsten und mächtigsten Städte Deutschlands, oder nach Gotha mit seinem
das Stadtbild beherrschenden Schloss Friedenstein.
Doch vielleicht will nicht jeder,
der hier logiert, gleich in die Ferne schweifen. Die Erkundung beginnt schon
vor der Haustür und erschließt bei einem mehrstündigen Spaziergang im ersten
angelegten Landschaftspark romantischer Prägung in Thüringen oder bei einer
Bootsfahrt auf dem Gondelteich ein Naturerlebnis pur. Gar wohl könnte auf
diesen paradiesischen Flecken der Dichter der Romantik Joseph von Eichendorff
seinen schwärmerischen Vers gemünzt haben: "Denn ein Vogel jeden Frühling
an dem grünen Waldessaume sang mit wunderbarem Schalle,
wie ein Waldhorn klang es im
Traume..."
Nicht minder romantisch ist das
Städtchen Friedrichroda selbst. Seit langem schon als Luftkurort und
Wintersportplatz auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt, bemüht es sich
um das Prädikat "Kneipp-Kurort", ermutigt auch durch die erst Anfang der 90-er
Jahre im Park von Reinhardsbrunn entdeckten Heilwasserquellen. Das gesunde
Reizklima des Thüringer Waldes - milde Westwinde werden durch den riesigen
Waldgürtel gefiltert - bringt Menschen mit Atemwegserkrankungen Linderung und
Heilung. Immer ein Erlebnis im Winter: eine Pferdeschlittenfahrt durch den tief
verschneiten Thüringer Wald oder eine Skiwanderung auf einer der gespurten
Loipen am Rennsteig. Friedrichroda hat gerade im Wintersport eine Jahrzehnte
lange Tradition. Wurde doch schon 1909 die 1265 Meter lange Natureisbahn am
Spießberg gebaut, auf der heute noch nationale Wettkämpfe stattfinden. Und auch
Nicht-Profis können sich hier gern einmal mit Rennrodel und Sturzhelm erproben.
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