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Chronistische Übersicht
Runde 450 Jahre, von 1085 bis in das erste Drittel des 16.
Jahrhundert befand sich an der Stelle des heutigen Schlosses Reinhardsbrunn ein
Kloster gleichen Namens. Es verdankt seine Entstehung dem Aufbruch im hohen
Mittelalter, der ganz Europa erfaßte und besonders in Thüringen mit den
Ludowingern verbunden ist. Diese Chronik umfaßt im Übergang zum Jahr 2000 rund
1000 Jahre Zeitgeschichte.
1044
wird die "Schowingburg" durch
Ludwig mit dem Barte errichtet. Verliehen durch den Erzbischof zu Mainz und dem
deutschen Kaiserhof trägt der Graf aus Franken den Titel Statthalter von
Thüringen mit dem Wappen der Ludowinger: rot-weiß gestreifter Löwe auf blauem
Feld. Ihm verdankt auch
Friedrichroda seinen Ursprung durch sein Bemühen, weitgehend unkultiviertes Land
zu erschließen und damit auch im Thüringer Wald die Grundlage für künftige
politische Aktivitäten zu schaffen. Der Mainzer Erzbischof Bardo (1031 - 1051)
habe (der Sage nach) Ludwig dem Bärtigen Land bei Altenbergen und Reinhardsbrunn
als Lehen übertragen, das dieser durch Kauf von Thüringer Freien und durch die
Ehe mit Cäcilie von Sangerhausen erweitern konnte. Wie die
Reinhardsbrunner Chronik behauptet, sei in der durch den Vater errichteten
Kapelle von Altenbergen, der älteste Sohn Ludwig der Springer durch Erzbischof
Bardo getauft worden.
1080 baute Ludwig die durch die
Schauenburg bei Friedrichroda gesicherte Rodungsherrschaft
seines Vaters weiter aus. Auch die von ihm erbaute Wartburg bei Eisenach wurde
zum westlichen Eckpfeiler seines vergrößerten Herrschaftsbereiches. Dazu sollte
auch die Neuenburg bei Freyburg a. d. Unstrut hinzukommen.
1085
wird berichtet, daß der
Pfalzgraf Friedrich II. an einem Februartag nahe seines Schlosses Scheiplitz auf der Jagd überfallen und
umgebracht worden sei. Das Volk munkelte, Ludwig der Springer sei der
Auftraggeber für diese Untat gewesen und das die folgende Ehe mit der Witwe Adelheit von Reue
und Angst ums Seelenheil überschattet war. Noch im gleichen Jahr gründete Ludwig
der Springer das Benediktinerkloster Reinhardsbrunn.
Die Reinhardsbrunner Tradition datierte später die Untat zurück und füllte die Zeit mit der vom Kaiser verfügten
Gefangenschaft Ludwigs auf dem Giebichenstein bei Halle aus.
Ein "sagenhafter" Sprung aus einem Fenster der Burg in die Saale rettete ihm das Leben
und führte außerdem zur Stiftung einer Kirche in Sangerhausen. Vor allem verlieh
diese Geschichte den Beinamen "der Springer" seine Bedeutung. Zutreffend ist auf
jeden Fall, daß aus dem "comes" des
Kaisers inzwischen einer seiner erbittersten Gegner geworden war.
1089
war die Berufung von
Mönchen aus dem Reformkloster Hirsau für das nun fertiggebaute Kloster Reinhardsbrunn ein
Affront gegen den Kaiser. Ludwigs Politik zielte auf einen feudalen Landesstaat Thüringen.
Bei der Wahl des Ortes für das Kloster soll Ludwig einen Töpfer namens Reinhard
getroffen haben, der bei einem Brunnen ein Häuschen hatte. Eben jener sah nachts
Lichter. Wo sie ihm erschienen waren, entstand das Kloster. Mit den Benediktinern (cluniazenisch)
von Abt Wilhelm von Hirsau erlangten die Reformklöster damit ihre erste
Niederlassung in Thüringen und diese standen im damals währenden Investiturstreit eindeutig
gegen den Kaiser. Auch Ludwig der Springer hatte sich der allgemeinen
sächsich- thüringischen Fürstenopposition angeschlossen, auch später gegen Kaiser Heinrich V.
1092
erfolgte die Anerkennung der
Gründung des Klosters Reinhardsbrunn in einer Urkunde. Als Garant
der politischen Absicherung von Reinhardsbrunn kam nach Lage der Dinge nur der
Papst in Frage. Das Adelheid mit ihrem Gatten in Rom dem Papste Urban II. zu
Füßen gelegen und zur Buße den Bau des Klosters gelotst hätten, wird später als
eine Ausschmückung der klösterlichen Tradition gewertet. Es wird eher
angenommen, daß der befreundete Bischof Stephan von Halberstadt ihnen nach dem
Klosterbau die Absolution des Papstes erwirkt haben soll. Das Kloster
erhielt durch Stiftungen bald umfangreichen und weit gestreuten Grundbesitz bis
in die Gegend von Torgau, in das thüringische Holzland und auch in
Nordthüringen. Damit wuchs es in Konkurrenz zu anderen thüringischen Klöstern zu
einem starken Wirtschaftszentrum heran.
1113 muß sich Ludwig der Springer nach
einer Niederlage der Verbündeten ergeben, konnte jedoch
gegen Auslieferung der Wartburg wieder freikommen.
1114 ließ ihn Heinrich V. erneut
gefangennehmen und dieses mal für fasst drei Jahre in den Kerker werfen. Seinen Söhnen ereilte das gleiche
Schicksal. Sein ältester Sohn Hermann starb sogar in der Gefangenschaft.
1116
kam Graf Ludwig aus der
Gefangenschaft. Er lebte zunächst wieder auf der Wartburg und vereinigte sich erneut mit seinen
Söhnen Ludwig und Heinrich gegen den Kaiser. Daraus entstand sogar noch Gewinn für
seine Macht.
1123 übergibt Ludwig der Springer
schließlich den Söhnen Ludwig und Heinrich (Raspe I.) seine Herrschaft mit Wartburg und Neuenburg und zog
selbst die Mönchskutte an und wurde Benediktiner in Reinhardsbrunn, wo er noch
in demselben Jahr starb und bestattet wurde. Auch
Adelheid, die bereits 1110 gestorben war, ist in Reinhardsbrunn bestattet
worden, nachdem sie als Äbtissin in dem angeblich von ihr gestifteten Kloster
Scheiplitz gewirkt hatte (nach einer anderen Überlieferung soll es Kloster
Oldisleben gewesen sein).
1130 wurde Graf Ludwig der I. in das oberste
Grafenamt, nämlich das eines "comes prinzipalis thuringiae" berufen,
nachdem der vorhergehende Hermann II. von
Winzenburg wegen Anstiftung zum Mord
abberufen worden war.
1131
wird Ludwig I. Landgraf von Thüringen. Mit dieser Rangerhöhung eröffnete sich für
die Ludowinger die Möglichkeit des
Eintritts in den sich damals bildenden Reichsfürstenstand. Zum Kaiser Lothar III.
wird ein relativ gutes Verhältnis geführt, hielt sich jedoch von der Reichspolitik
fern. Auch Ludwig I. fand in Reinhardsbrunn, nach seinem Tode am 12. Jan. 1140, seine
letzte Ruhestätte.
1176 erhält das Kloster durch Ludwig III. (der
Milde), Sohn von Landgraf Ludwig II., ein Gebiet von dem Cymisberg (Zimmerberg -
heute Tabarz) und der anstoßenden Wiese durch den Ort, Santwerf genannt,
(Sandlöcher), von da auf dem Rücken des Berges Deneberg (Finstere Tanne) durch
Grissinbachil (Geißenberg) bis in die Flur Iwinghaging (Ibenhain), von da auf Wahlwinkelhast (Wahlwinklerhardt) bis zu
den Grenzen des
Gutes in Tüttleben. Die Urkunde ist bei dem landgräflichen Schloß Theneberg
(1176 erstmals geschichtlich benannt) gefertigt. Inzwischen gehörten über 150
Bauernhöfe zum Kloster.
1200 etwa wird bereits die Blüte des
Klosters beschrieben. Reich war das Kloster an wertvollen Büchern, kostbaren Meßgewändern, Monstranzen,
Kelchen u. a. Kostbarkeiten. Die
geschäftsführenden Konventsbrüder: Abt, Prior und der Celleratius, die
Kauf-, Verkauf-
und andere Verträge regelten und mit Siegeln zu versehen hatten, taten das mit
großer Exaktheit. Zahllos waren die Stiftungen, Legate und Vermächtnisse zur
Abhaltung von Jahrgedächtnissen zum Seelenheil Verstorbener mit Vigilien und
Messen, bei feierlichem Geläut, bei brennenden Kerzen oder Unterhaltung.
Es gab eine
prächtige Klosterkirche mit Quer- und Langschiff, 24 Altare mit Gemälden, die
das Leben des heiligen Benedikt darstellten, drei Orgeln usw. Auf zwei
stattlichen Türmen
sollen 12 Glocken gewesen sein.
1292 legte der fränkische Raubritter
Ludwig von Hesseburg im Kloster einen Brand, der große Zerstörungen anrichtete. Dieser Raubritter
wollte sich rächen, weil der Abt Marquard seinen Bruder in Friedrichroda wegen
Räuberei hatte hinrichten lassen. Damals sollen auch die ursprünglichen
Grabsteine der Ludowinger verloren gegangen sein, denn die bis heute erhaltenen,
nunmehr in der Eisenacher Geogenkirche, sollen Nachbildungen sein. Durch den
Wiederaufbau geriet die Abtei in große Geldnot und mußte viel Land und Güter
verkaufen. Auch Landgraf Heinrich Raspe (1227 -1247) hatte das Kloster
geschröpft. Er habe silberne Kelche und Kunstgegenstände an reiche Bürger in
Gotha verpfändet, aber nichts wieder eingelöst. Trotz lebhaften Ablaßhandel
konnte sich
das Kloster Reinhardsbrunn nie wieder völlig erholen. Mit ihm waren die
Ludowinger im Mannesstamm ausgestorben. Thüringen fiel an die Wettiner
Markgrafen von Meißen. Die Gelübte der Brüder waren Armut, Beharrlichkeit,
Gehorsam und Keuchheit - streng und eintönig. Der Benediktiner Gewohnheit
entsprach es, die Bedürfnisse im Klosterbezirk selbst zu decken und so muß man
sich die Anlage mit nötigen Gebäuden, wie Ställe, Brauerei, Mälzerei,
Weinkeller, Bottichhaus, Klostermühle, Vorratshäuser mit Fleischkammer,
Käsekammer etc. nebst Teichen und Gärten, sowie ein Krankenhaus vorstellen. Vor
dem Pförtnerhaus lag die Schenke.
1330 weilten 80 adlige Gäste im Kloster
in dem Herzog Friedrich der Ernsthafte (1310 - 1349) eine Fürstenversammlung abhielt.
1521 waren die Besitzungen des Klosters
in über 170 bis 180 Orte zerstreut, in denen es Überfälle und Fehden gab. Durch
die ständigen Frondienste und zusätzlichen Abgaben litten vor allem die
Friedrichrodaer. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Empörung dagegen groß.
In diesem Jahr lud der Herzog Friedrich III., genannt der Weise, (1463 - 1525)
die feindlichen Parteien nach Eisenach zur Verhandlung ein. Albert Beck
berichtete darüber in "Alt -
Reinhardsbrunn im Glanze seiner achthundertjährigen Geschichte" (1930)." Es wurde bestimmt:
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1.
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Alle Einwohner von
Friedrichroda sollen dem Abte ihrem Erbherrn untertänig und gehorsam sein und
sich "gemeiner Zusammenforderung wider
den Abt, Convent und des Klosters Diner enthalten".
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2.
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Es soll niemand "mördliche"
Waffen beim Kirchgang, auf
Straßen und in Schenken tragen.
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3.
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Die Hälfte des Schenkzinses
gehört dem Abt, die Hälfte dem Rat, der Abt soll aber auch die Hälfte der
Ausgaben tragen.
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4.
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Die Einwohner von Friedrichroda
und alle Klosteruntertanen haben sich nach altem Brauche mit Harnischen und
Wehren am Johannistage in Altenbergen gehorsam einzufinden.
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5.
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Bei Schlägereien sollen die
Täter zur Bestrafung an das Kloster ausgeliefert werden.
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6.
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Sie dürfen die
Forellenfischerei des Abts nicht schädigen.
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7.
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Das Vorgefallene soll vergeben
und vergessen sein.
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8.
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Bei fernerem Ungehorsam wird
der Fürst zu finden und zu strafen wissen.
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Der Zorn der Bauern auf geistliche
und weltliche Feudalherren war nur zu begreiflich. Es flossen aus Friedrichroda jährlich
ca. 1290 Gulden an Erbzinsen und anderen Geldabgaben nach Reinhardsbrunn, etwa
260 Gulden davon kamen aus den Städten, alle übrigen mußten die Bauern
aufbringen. Bekanntlich fand Dr. Martin Luther die
höchste Kritik am Papsttum in Kloster und Kirche. Nicht belegt ist, dass der Reformator
bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg auch an die Klosterpforte Reinhardsbrunn
geklopft haben soll.
1525 zeigen die Klosterrechnungen in
Rödichen und das Reinhardsbrunner Erbbuch über Rödichen und Schnepfenthal, welche Abgaben und
Lasten den Dorfbewohnern aufgebürdet wurden. Damit änderte sich auch das
Glaubensbekenntnis. Entsprechend der
Kirchenreform leiteten die Territorialherren von der Formel "Wessen das Land,
dessen der Glaube", das Recht ab, Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen.
Fortan lautete sie: evangelisch-lutherisch bis in unsere Gegenwart. Am 24.
April kommt es zu einer Plünderung des
Klosters durch aufständische Bauern aus der Umgebung von Waltershausen.
Reinhardsbrunn ist ein akutes Feld des deutschen Bauernkrieges. Über diese
Ereignisse der Erstürmung des Klosters gibt es einen
umfassenden Bericht des Priors Wilhelm Listermann an Kurfürst Johann vom 27. 10.
1525 (Fuchs/Franz: Akten zur Geschichte des Bauernkrieges ... Bd.z, Jena 1942,
S. 490 und 942). Als Gegner
marschierten 90 Mann der Waltershäuser Stadtwehr nach Reinhardsbrunn, um das
Kloster zu schützen. Doch diese Hilfe reichte nicht aus. Am 3. Tag wurden die
Mönche davongejagt, oder flüchteten selbst in den Reinhardsbrunner Hof in Gotha. 24 Altare
und drei Orgeln zersplitterten, die Bibliothek verbrannte.
1526 gibt es vom 28. Juli einen Bericht
des Tietzmann Galdecker, Amtmann zu Tenneberg, über Hans Bader, den "langen Hans" aus
Waltershausen. Er sei einer der Anführer gegen Reinhardsbrunn gewesen und
Hauptmann von etwa 1000 Bauern und Bürgern. Später sei er flüchtig geworden und
habe sich in der Meininger Gegend versteckt gehalten. In Eisenach
rückte Landgraf Phillip von Hessen ein und richtete die gefangenen Bauernführer
hin. Wiederholt lesen wir in Kirchenchroniken, dass das kirchliche wie auch das
sittlich-religiöse Ringen der Menschen in unseren Walddörfern, die Kräfte der
Reformation beschleunigte. Papst Gregor VII. (als Reformpapst
bezeichnet) versuchte die Kirche aus ihrer kritikwürdigen Lage dieser Zeit
herauszubringen. Ursachen waren Maßstäbe: "Man predigte Wasser und trank Wein",
in Kirche und Kloster. Das traf auch für Reinhardsbrunn zu. Von den
Bauernführern sind fast alle hingerichtet worden. Welche Familien dieses Unglück
betraf, ist hier um Reinhardsbrunn nicht bekannt geworden. Das so gut wie
verwüstete Kloster kam samt seinen Besitzungen in die Hände des Kurfürsten
Johann dem Beständigen (1468 - 1532). Dieser war ein Förderer von Luther und der
Reformation. Einen Verbündeten fand er im Landgrafen Phillip von Hessen. In
diesem Zusammenhang sprach man vom Gotha - Torgauer Bündnis. Damit festigte sich
die Grundlage zur Bildung von Landeskirchen.
1538
Der Verwalter des Klosters
Reinhardsbrunn, Hans von Hönigen - der seinerseits wieder den Segnestratoren der thüringischen
Klöster untergeordnet war - hatte für die Abtei eine Rechnungsablage gefordert.
1541 werden die Besitzungen der Abtei,
von welcher mehrere wegen den damaligen Wirren in fremde Hände gefallen waren,
genauer untersucht.
1543 kam es in Folge der Untersuchungen
zum Beschluß, aus dem ehemaligen Kloster ein Gut zu bilden, für den Fall, dass der Fürst
etwa in dieser Gegend jagen wollte. Entfernte Besitzungen sollten verkauft werden.
Damit endet die Geschichte des Klosters Reinhardsbrunn und der Versuch,
die verfallenden Gebäude teilweise zu restaurieren ist keine bleibende Aufgabe
geworden.
1601 Errichtete Friedrich Wilhelm I.
(1562 - 1602) auf den Resten des Klosters Reinhards- brunn ein Amtshaus. Für die
bisherigen Klosteruntertanen war an Stelle des Abtes ein Amtmann getreten.
Dieser war für Gericht und Verwaltung, für Abgaben und Frondienste und für ein
militärisches Aufgebot zuständig. Zunächst ist als Amtssitz ein noch erhaltenes
Wirtschaftsgebäude des Klosters genutzt worden, doch dann wurde in der Nähe des
ehemaligen Klostergebäudes ein neues Amtshaus errichtet. Der Amtsbezirk von
Reinhardsbrunn umfaßte die Orte Altenbergen, Cabarz, Cumbach, Engelsbach,
Ernstroda, Friedrichroda, Finsterbergen, Rödichen mit Schnepfenthal, Tabarz und
Wipperoda.
1607 war die verwitwete Dorothea
Maria (1562 - 1602) vor der Pest aus Weimar nach Reinhardsbrunn geflüchtet. Sie galt
als "Ahnenherrin der Ernestiner".
1611 ließ die Herzogin ein Wohnhaus
errichten, dazu das gegenüberliegende "Hohe Haus", auf dessen
Grundmauern sich später der moderne Nachfolgebau und auch die neue Kirche
erhebt.
1674 von da an untersteht
Reinhardsbrunn dem Gothaer Fürstenhof. Ernst I., der Fromme, Herzog von
Sachsen-Coburg- Altenburg (1601 - 1675) begründete die Gothaer Linie, die für
Reinhardsbrunn zuständig ist.
1693 regierte der Enkel von Ernst dem
Frommen, Friedrich II. (1776 -1832). Erst mit ihm wird wieder etwas
in Reinhardsbrunn getan. Er versah die Kirche mit einer neuen Decke, einer
Orgel, zwei herrschaftlichen Ständen und einem Portal an der Südseite.
1772
begann die Regierungszeit von Herzog Ernst II. (1745 - 1804). Über ihn
schrieben Karl Ernst Adolf von Hoff und Christian Wilhelm Jakobs
1807: "Reinhardsbrunn war schon ein Lieblingsaufenthalt Herzog Ernst's II., der
dort, entfernt vom Geräusch des Hofes und der Welt, sich selbst und
wissenschaftlicher Forschungen in ungestörter Stille lebte". Hervorzuheben ist
das von ihm geförderte Philanthropin mit Christian Gotthilf Salzmann im nahe bei
Reinhardsbrunn gelegenem Schnepfenthal sowie die Einrichtungen des ersten "stehenden" Theaters auf Schloß Friedenstein
unter Conrad Ekhof.
1780 ließ Herzog Ernst II. das Gelände um das
ehemalige Kloster einebnen. Bei diesen Erdarbeiten stieß man auf Grundmauern der alten
Abtei und fand mehrere Grabsteine von Äbten. Man begann, Erhaltenes zu sichern
und landschaftsgestalterisch umzupflanzen. Damit wurden erste Grundlagen zur
heutigen Parkanlage geschaffen.
1782 ritt Johann Wolfgang von Goethe
durch Reinhardsbrunn. Damit verbunden ist der bekannteste Besuch Goethes auf
seiner diplomatischen Reise als Weimarischer Staatsminister über Gotha nach
Meiningen, die ihn im Mai dieses Jahres in den ganz in der Nähe liegenden "Herzog-Ernst-Stollen" (heute
Marienglashöhle) führte. Eigentlich
war in der alten Bergbaustadt kein längerer Aufenthalt vorgesehen, doch "in
Friedrichroda fing mich der Bergrat Baum
auf, ich mußte zu Tisch bleiben und kroch mit ihm vorher in den Eingeweiden der Erde herum und
tat mir was rechts zu gute". (Goethe
Werke, WA II; Bd. 10. Mineralogie und Geologie, S. 135, Weimar 1894) Außerdem beschrieb
Goethe das Reinhardsbrunner Umfeld u.a.: "Um ein wenig grüner find ich hier die
Bäume als bey uns." (Aus dem Brief an Frau von Stein, 10. Mai 1782) Weitere
Besuche von Goethe im Park und Schloß Reinhardsbrunn sind im
Goethe-Nationalmuseum nicht bekannt.
1804 folgte auf den Thron in Gotha Herzog August
I. (1771 - 1822) In Bezug auf Reinhardsbrunn
ist von ihm bekannt, dass mit seiner Unterstützung durch den
Hausoberstallmeister von Wangenheim im sogenannten Außenpark für Gäste
Reinhardsbrunns ein Gasthof errichtet wurde. (Vorgänger des späteren Parkhotels)
1822 war auch Karl Siegesmund Hedenus
(1764 - 1822) aus Themar entzückt von der
herrlichen Waldlandschaft in Reinhardsbrunn, wo er sich entschloß, am Hochzeitstage
seines Sohnes im Waldgasthof in Reinhardsbrunn zu feiern. Er eröffnete den
Hochzeitsreigen. "Da rührte ihn der Schlag und er sank der blühenden Braut tot
in die Arme." Danach wurde sein Wunsch erfüllt. Die Familie erwarb einen Platz
im Wald von Reinhardsbrunn am Nordhang des Kiefernkopfes. Seit dieser Zeit
kennen wir das Hedenus-Grab kurz vor dem Bahnhof Reinhardsbrunn.
1826 kam es nach dem Aussterben der
alten Gothaer Linie zwischen den erbberechtigten Fürsten von Sachsen-Meiningen,
Sachsen-Coburg-Saalfeld und Sachsen-Hildburghausen (alle direkte Nachfolger von
Ernst dem Frommen) zu einem Teilungsvertrag, wobei Sachsen-Gotha durch
Abtretungen an Meiningen etwas verkleinert und in Personalunion mit
Sachsen-Coburg und Gotha eine neue Entwicklungsrichtung eingeleitet und mit
Herzog Ernst I. (1784 - 1844) der bisher bedeutendste Schloßbau begonnen.
Die Reinhardsbrunner
Entwicklungsgeschichte erfährt eine entscheidende Veränderung. Wir erleben mit
dem Bau des neugotischen Schlosses nicht nur eine heimatgeschichtliche
Erneuerung, sondern erleben eine gesamtdeutsche und sogar europäische
Dynastienge- schichte direkt auf Reinhardsbrunn bezogen. Hiermit lassen sich über
Generationen verfolgte Ahnenpositionen und Entwicklungen bekräftigen oder auch
nur annähernd verbinden.
1828 werden durch Herzog Ernst I. von
Sachsen-Coburg und Gotha erforderliche Verwaltungs behörden neu
eingerichtet, um die sich entwickelnde Industrie, den Ackerbau sowie Handel und
Gewerbe fördern zu können. Landesvermessungen, Wegeverbesserungen, u. a. nach
Reinhardsbrunn und Friedrichroda, Waltershausen und Tabarz verbesserten die
Infrastruktur. Im Wald wurden die schönsten Plätze zugänglich gemacht, wodurch
immer mehr Touristen angelockt wurden. Mit besonderer Hingabe widmete sich Ernst
I. dem Baugeschehen. Neben dem Coburger Schloß und der Veste Coburg, neben den
Theaterbauten in beiden Residenzstädten war es vor allem Reinhardsbrunn, wo der
Schloßbau vorangetrieben wurde. Als Architekten wirkten damals Gustav Eberhard
und Carl Alexander von Heideloff. Für die Parkgestaltung wurde der junge
herzogliche Obergärtner Eulefeld beauftragt. Zwei kleine Teiche wurden
vereinigt, ein dritter Teich verfüllt.
1832 war der Hauptkomplex des Schloßgebäudes
fertiggestellt. Die einzelnen Flügel des Schloßbaues wurden nicht in rechten,
sondern spitzen und stumpfen Winkeln aneinander gereiht. Dadurch wurde wohl
auch die Romantik des Gebäudes erhöht.
1833 erreicht die gesamte Schloßanlage
5 Gebäude, gewöhnlich das Hohe Haus genannt, stößt nordöstlich das Einfahrts-
oder auch Saalgebäude. Ein besonderes Kleinod einer gotischen Steinmetzarbeit
finden wir am sogenannten Schalltore in Stein gehauen. Der Kopf mit Barett
schaut aus einem kleinen Fenster heraus. Eine legendäre Überlieferung sagt, er
stellt einen Mönchskopf vor, der die heranstürmenden Bauern (1525) zuerst
bemerkt habe. Eine andere Version meint, es sei der Meister dieser Dombauhütte,
der stets namenlos bleiben mußte und sich so auf diese Weise ein Denkmal setzte.
Wie es auch sei, er wirkt nach wie vor als
"Fenstergucker" besonders
attraktiv.
1834 folgte im Aufbau die Hirschgalerie
(früher Amtshaus). Die Stockhöhen dieses Gebäudeteiles liegen nicht in gleicher
Höhe der anderen, sondern um einige Stufen höher. Vom Hofe aus wurde hier eine
freistehende Treppe mit Extraeingang zu dem im unteren Stock befindlichen
Speisesalon, der besonders zu Jagden genutzt werden sollte, angefügt. Daneben
sind die Kaffeeküche und Vorratskammern, sowie die Wohnung des Kastellans
angeordnet.
1835 kam der Turm und ein Teil der
Kirchgalerie dazu. Im ersten Stock wurden hier Wohnungen (wie über der
Hirschgalerie) für Kavaliere und unterm Dach Dienerwohnungen eingerichtet.
Danach trat eine lange Unterbrechung der Bautätigkeit ein.
1837
setzte in Friedrichroda und Reinhardsbrunn ein stärkerer Fremdenverkehr ein. Der
Gothaer Buchhändler Friedrich Christoph Perthes,
Mitbegründer des Börsenvereins der deutschen Buchhändler und Freund führender
Gelehrter seiner Zeit, war in die Berg- und Waldidylle Friedrichrodas gekommen,
um sich von den Folgen einer schweren Krankheit zu erholen. Von ihm wurde
Friedrichroda als Kurort entdeckt. Er hatte das Haus in der Reinhardsbrunner
Straße bezogen, das 1834 vom Schloßkaplan Grote gebaut worden war.
1840 ehelichte der Sohn Herzog Ernst
I., Prinz Albert (1819 - 1861) seine Cousine Viktoria (1810 -
1901), die damals schon Königin von Großbritannien war. Bereits 1834 hatte sie
als 15jährige Prinzessin mit einem Leiterwagen von Liebenstein kommend über den
Dreiherrenstein den Großen Inselsberg besucht.
1841 wurde im Rosengarten des Schlosses
das Denkmal eines altdeutschen Jägers mit den
Zügen Herzog
Ernst I. aufgestellt, das der Bildhauer Koch aus Gotha geschaffen hatte.
1844 starb am 29. Januar der Bauherr des Schlosses
Reinhardsbrunn, Herzog Ernst I.. Auf den Thron
folgte ihm sein Sohn, Herzog Ernst II. (1818 - 1893). Nach vielseitiger
Ausbildung an den Höfen von Coburg und Brüssel, aber auch an der Bonner
Universität, wurde er Rittmeister im sächsischen Gardereiterregiment in Dresden.
1842 hatte er Alexandrine, die Tochter des Großherzogs von Baden geheiratet.
Herzog Ernst II.
nutzte Reinhardsbrunn besonders für Familientreffen, Festlichkeiten und
Jagdgesellschaften, vor allem aber zur Entspannung in den Sommermonaten. Im gleichen
Jahr erfolgte unter dem selbstlosen Einsatz des Arztes Dr. Ferdinand Keil in
Friedrichroda der Aufschwung als heilklimatischer Kurort. Hotels und Pensionen
sowie ein Badehaus entstanden.
1845 Der 30. August war einem besonderen
Jagdausflug vorhalten, der von Reinhardsbrunn zur Tanzbuche
und Jägersruh zur Jagd am Weißen Berg führte. Nach dem Jagdbericht waren u. a.
Jagdgäste außer der Königin Viktoria von Großbritannien und Irland, die Königin
der Belgier, Herzogin Alexandrine (Gattin Herzog Ernst II. von Sachsen - Gotha -
Altenburg), König Leopold, Prinz Albert und Herzog Ernst (als Gastgeber) werden
als die eifrigsten und erfolgreichsten Schützen ausgewiesen. Die Strecke umfaßte
66 Stück Wild. Danach wurden noch Fahrten nach Schloß Molsdorf, Ohrdruf u. a.
unternommen. Am 2.
September (also 2 Tage später), so das akribisch geführte Protokoll
(Staatsarchiv Gotha), labten sich neben den königlichen Hoheiten weitere 27
Personen (Gefolge) an saftigen Reh- und Wildschweinbraten in Reinhardsbrunn. Es
gab auch Rebhühner und köstliche Trüffel. Nicht von
ungefähr wurde Reinhardsbrunn auch wegen seiner Fischgerichte gerühmt,
schließlich boten die Teiche rund um das Schloß bis nach Schnepfenthal Karpfen,
Zander und Forellen, die schon zu Zeiten des Klosters bei den
Benediktinermönchen reichhaltig waren. Was lag da näher, als diese auf königlichen und fürstlichen Wink hin, aus dem
Wasser in die Pfanne zu befördern und sie dann zu servieren. Viktoria, Albert
und die anderen Gäste in der Gothaischen Residenz brauchten sich nicht wie einst
(laut Urkunde von 1382) an die Klostervorschriften zu halten, die festlegten,
wie oft und wann Fleisch und Eier sowie Fisch aus den Teichen gegessen werden
durfte. Wenn die
Mönche der Abtei auch keineswegs hungern mußten, den Ansprüchen der Queen und
ihres Gemahls wäre der Speiseplan des Klosters wohl kaum gerecht geworden.
Solche
Empfänge bei Vater und Schwiegervater Herzog Ernst II. und Herzogin Alexandrine,
geborene Prinzessin von Baden (1820 - 1904) waren damals eine wichtige familiäre
Grundlage im Hause der Ernestiner. In dieser
geschichtlichen Zeittafel seien noch weitere bedeutende Persönlichkeiten
aufgezählt, die Schloß und Park Reinhardsbrunn zu dieser Zeit besuchten:
Prinz
Ferdinand von Sachsen-Coburg, die Herzogin von Kent, die Großfürstin Helene von
Rußland, der Prinz Carl von Preußen mit Gemahlin, die Herzöge von Württemberg
Alexander und Ernst, der Großherzog von Sachsen-Weimar und Eisenach, die Herzöge
von Sachsen-Altenburg und Sachsen- Meiningen, alle mit Gemahlin und auch die
Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen sowie Reuß jüngere Linie.
Noch im
gleichen Jahr wurde ein noch vorhandenes Teilstück des Klostergeländes nach
Süden hin durch den Abriß der alten Klostemauer geöffnet.
1855 begann der Abriß der seit 1607 erbauten
Kirche, nach dem ein Brand im ersten Gebäude diese
unversehrt gelassen hatte. Der Bau einer neuen Kirche sollte in Angriff genommen
werden.
1862 war einer der zeitlich längsten
Aufenthalte der Königin Viktoria von Großbritannien und Irland (14 Tage), aber diesmal bereits
als trauernde Witwe. Chronistisch sei hier gesagt, dass der britischen Königin
Reinhardsbrunn und damit Thüringen ans Herz gewachsen war und das verdient, als
besonderes Geschichtsereignis gewürdigt zu werden. Bei ihren Besuchen soll sie immer wieder
geäußert haben: "Wäre ich nicht, was ich bin, hier würde mein wirkliches Zuhause
sein".
1874 wurde die damals neue Kirche
fertiggestellt, dessen Bau bereits 1857 begonnen wurde. Die
Schloßkapelle wurde am 16. August dieses Jahres eingeweiht.
1876 ist die bisherige Pferdebahn von Fröttstädt
nach Waltershausen bis nach Friedrichroda - aber jetzt
als Lokomotivbahn - weitergeführt worden. Bisher fuhren nur Lohnfuhrwerke nach
Friedrichroda und Reinhardsbrunn. Im Ahnensaal
des Schlosses Reinhardsbrunn malte Professor Schneider aus Gotha die 32
Landgrafenbilder in Öltechnik, die in den spitzbogigen Nischen des oberen
Gesimses ihren Platz fanden. Diese Ahnengalerie wurde relativ bescheiden
ausgeführt, laut Auftrag "grau in grau" gemalt, sogenannte "Grisaillen". Es
wurden tatsächlich mehr andeutend umreißende "Spuren" als charakteristische
Porträts der Dargestellten ausgeführt, aber sie erfüllten ihren Zweck. In
dieser, äußerst selten so ausgeführten Form, findet man eine solche
beträchtliche Anzahl nicht, die wesentliche Vertreter der Ludowinger, der
Wettiner und solcher ihrer ernestinischen Linie in einem Reigen von Bildnissen
vereinigt. Eines der 32 Bilder wird später - angeblich sei dem zweiten Weltkrieg
- vermißt. Es soll sich dabei um eine Darstellung Johann des Beständigen
gehandelt haben.
1896 wurde die Eisenbahnstrecke an
Reinhardsbrunn vorbei nach Friedrichroda bis Georgenthal
weitergeführt, wobei es beim Bau des 279,8 m langen Reinhardsbergtunnels zu
mehrmonatiger Verzögerung gekommen war.
1903 erfolgte die Einstellung des
Bergbaubetriebes unweit von Reinhardsbrunn, wo Johann Wolfgang von
Goethe im Herzog-Ernst-Stollen 1782 "ein
Kompendium der gesamten Thüringer-Wald-Mineralogie" vorfand. (Goethe-Werke, WA
II, Bd. 10) Die Marienhöhle wurde danach von den beiden Pächtern Brühl und
Steinbach als Schauhöhle weiterbetrieben. Marienglas aus dem alten Gipsstollen
ist auch zur Ausschmückung der Reinhardsbrunner Schloßkapelle verwendet
worden.
1905 zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte 1905 Carl
Eduard (1884 - 1954) der Herzog von Connaught für sich und seine
Familie der von einem nächstjüngeren Bruder Alfreds (vorletzter Regent 1893 - 1900) abstammenden
Linie Albany verzichtet. Carl Eduard -
letzter Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha war der Sohn von Herzog Leopold von
Albany, der selbst wiederum ein Sohn von Königin Viktoria und Prinz Alberts war
und der Prinzessin Helene von Waldeck. Zu
erwähnen sei hier, dass der Vorregent Herzog Alfred -1874 - die einzige Tochter
des russischen Zaren, die Großfürstin Maria Alexandrowna ehelichte. Damit wurde
die Verzweigung der Ernestiner auch zum russischen Adel perfekt. Reinhardsbrunn und
Friedrichroda waren als Luftkurort und Wintersportplatz über die Grenzen
Deutschlands hinaus bekannt. Besonders Reinhardsbrunn wurde damals zur stillsten
und einsamsten Gegend des Thüringer Waldes, am Fuße des höheren Gebirges
gezählt. Das hochromantische Schloß Reinhardsbrunn galt als ""Perle des
Thüringer Waldes".
1907 erfolgte die Gründung des "Vereins für die
Erhaltung der Volkstrachten im Herzogtum Gotha". Dieser
Verein stand unter der Schutzherrschaft der Herzogin Viktoria Adelheid von Sachsen-Coburg und Gotha und hatte
sich zum Ziel gesetzt, "die Volkstrachten im Herzogtum" zu erhalten. Mit einem
Trachtenfest im Park-Pavillion in Gotha im Dezember sollte Freude "an den
althergebrachten" kleidsamen Trachten "allenthalben neu" geweckt werden. Für das
darauffolgende Jahr wurde ein weitaus größeres Trachtenfest vorbereitet.
1908 bildete das alte Fürstenschloß mit
seinem Landschaftspark, umgeben von dem großen Areal
"vortrefflicher Wiesen" und den "uralten Linden und Fichten" die beste Kulisse
für ein Trachtenfest im Herzogtum. Am 5. August begann der Festzug durch den
Schloßpark. Daran beteiligten sich über "800 Frauen und Jungfrauen" aus
folgenden Orten: "Finsterbergen, Teutleben, Frankenroda, Ebertshausen,
Hallungen, Nazza, Neukirchen, Lauterbach, Cabarz, Fischbach, Friedrichroda,
Schwarzhausen, Tabarz, Friemar, Tüttleben, Rödichen, Fröttstädt, Ernstroda,
Ruhla, Schönau v. d. Wald, Laucha, Winterstein, Tambach, Altenbergen, Leina,
Catterfeld, Engelsbach, Obermehler, Gera, Klein Tabarz, Georgenthal, Haina ...".
(Die Aufzählung der Orte sollte die große Weiträumigkeit und Bedeutung des
Trachtenvereins demonstrieren.) Vorgestellt wurden vor allem die kleidsamen
Bauerntrachten, teilweise mit den kostbaren Geschmeiden geschmückt. Nach dem
Festumzug sangen (dem Bericht des Vereins zufolge) die Frankenrodaer und
Finsterberger ihre hübschen Thüringer Lieder. Und "Die Tabarzer, Cabarzer und Frankenrodaer
tanzten zierliche Reigen und die Ruhlaer führten ihren alten Tanz, den `Rühler
Sprenger` auf". Das Lied "Das stille
Tal" (eine Reverenz an Reinhardsbrunn) wurde gemeinsam gesungen. Die Cabarzer
und Fischbacher führten das Hahnenschlagen vor und dann begann ..."ein buntes
Treiben nach alter Thüringer Art". Insgesamt seien etwa 10.000 Zuschauer in
Reinhardsbrunn dabei gewesen. Bis heute und für die Zukunft bleibt dieses
Trachtenfest eine Vorbildwirkung einer wirklichen Trachtenbewegung. (Quelle:
Thüringer Monatsblätter 1908 ff.)
1911 erreichte die Zahl der Friedrichrodaer
Kurgäste 14677. Ausdrücklich gelobt werden u. a. die schöne Lage zwischen Wiesengründen
und bewaldeten Bergwänden, die
"außerordentlich geringen Temperaturschwankungen zwischen Juni und
September" und der "Reichtum an
Spaziergängen und Ausflügen" wurde hervorgehoben. Dabei wurde die idyllische Lage von
Schloß und Park Reinhardsbrunn und die gute
Wasserqualität der Reinhardsbrunner
Teiche von den Kurgästen besonders hervorgehoben. August
Eckardt, ein begeisterter Wintersportler und Schriftführer des
Wintersport-vereins, zugleich Oberpostassessor der Deutschen Reichs post,
übernahm in diesem Jahr die Funktion des ersten Kurdirektors von
Friedrichroda.
1912
wurde wie 1908 und 1910 das letzte
Trachtenfest in Reinhardsbrunn vor dem Ersten Weltkrieg durchgeführt. Mit dem Weltkrieg von 1914 -
1918 war es zunächst mit dem unverwechselbarem Flair der Kurstadt und
Reinhardsbrunn zu Ende.
1917/18 Der Krieg beförderte den
bereits nach der Jahrhundertwende begonnenen Verfall des monarchischen
Gedankens. Mit dem Rücktritt des letzten Herzogs von Sachsen - Coburg und Gotha
sowie mit dem Ende der Tätigkeit des gemeinsamen Landtages waren auch die
verbindlichen Elemente zwischen den Landesteilen Gotha und Coburg beseitigt.
1919 war die Landesteilung perfekt. Auf
Reinhardsbrunn hatte Coburg keinen Einfluß mehr, aber auch der
Gothaer Adel konnte den bisherigen Charakter des Reinhardsbrunner Jagd- und
Lustschlosses nicht mehr fortsetzen.
1920 endete eine Zeit schlimmster
politischer Unruhen, in denen politischer Radikalismus sowohl von links, als auch von rechts,
Demokratisierungsansätze zu ersticken drohten. Am 1. Juli beschloß das
Reichsgesetz, Coburg dem Land Bayern zuzuordnen. Auch Friedrichroda und Reinhardsbrunn
standen nun unter dem Verfassungswerk der Weimarer Republik.
1922 erhielt Thüringen seine neue kleinstaatliche
Verwaltungsstruktur mit 15 Landkreisen. Damit
gehörte Friedrichroda/Reinhardsbrunn zum Landkreis Gotha.
1925 lief ein Prozeß des letzten Coburg-Gothaer
Herzogs Carl Eduard, der gegen seine Enteignung durch das Land Gotha geklagt hatte. Diese
Klage, in der auch Schloß und Park Reinhardsbrunn einbezogen war, erklärte das
Reichsgericht zunächst (mehr aus formalen als aus grundsätzlichen Erwägungen)
für ungültig. Ein Wahlergebnis (45% in Thüringen - mehr als Reichsdurchschnitt)
reichte aber nicht aus und die Entscheidung verlief für die Fürsten (erst 1939
konnten diese Auseinandersetzungen entgültig beigelegt werden). Die Aufhebung
der Kleinstaaterei, vor allem der damit verbundene Wegfall der kulturfordernden
Leistungen der Fürstenhäuser und der Residenzen als Stätten der Kulturpflege und
der strenge Sparkurs der Thüringer Regierungen im Kulturbereich führten zu einem
gewissen Verlust an kultureller Vielfalt. Ehemalige fürstliche Kulturgüter, wie das Schloß
Reinhardsbrunn bestanden als öffentliche Stiftungen weiter fort.
1929 fuhr am 17. Juli die erste
Thüringerwaldbahn vom Gothaer Bahnhof bis nach Tabarz. Insgesamt 21,7 km betrug
die gesamte Strecke. Mit der Haltestelle "Reinhardsbrunner Teiche" konnten nun die Reisenden, oder
auch Kurgäste, unmittelbar an Park und Schloß Reinhardsbrunn herangeführt
werden. Allerdings brachte zu dieser Zeit die Weltwirtschafts- krise auf allen
Gebieten Einschränkungen. Im Schloß war das Victoria - Adelheid - Heim für
Offiziersfamilien untergebracht und im Marstall befand sich eine
Jugendherberge.
1933 wurde bekanntlich auf der Basis des
"(Reichs-)Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem
Reich" der Thüringer Landtag aufgelöst. Unter der NS - Diktatur war das Gebiet Thüringen ein Zentrum der
deutschen Rüstungsindustrie geworden.
1943 erhielt auf direkten Befehl
Hitlers der Reichsführer SS und gleichzeitiger Reichsinnen-
minister Himmler, den
Auftrag, im Raum Ohrdruf das Führerhauptquartier einzurichten. Nach der
geheimen Kommandosache "Olga" (bereits seit 1935) war unter den verschiedenen
Objekten im Thüringer Wald auch Schloß Reinhardsbrunn vorgesehen.
1945 Das Jagdschloss Reinhardsbrunn war ab 1.
Februar durch die Reichskanzlei angemietet
worden. Mit einem Kriegstransport aus Ostpreußen kamen 126 Kisten Beutegut. Das
Schloß erhielt den Decknamen "Wolfsturm". Das Kurhaus auf dem Friedrichrodaer
Reinhardsberg wurde vom Chef der nazistischen Führungsgruppe des Generalstabes
mit seiner Operationsabteilung als Stabsquartier hergerichtet und mit dem Schloß
in Reinhards- brunn verbunden. Der Tunnel durch den Reinhardsberg diente zur
Aufnahme des Sonderzuges von Hitler (wie auch der Brandleitetunnel bei Oberhof).
Allein 135 Opfer forderte ein amerikan- ischer Bombenangriff am 6. Februar 1945.
74 Häuser der Stadt Friedrichroda wurden total zerstört. Im April befreiten
alliierte Truppen der Antihitlerkoalition Thüringen von der faschistischen
Diktatur. Am 4./5. April wurde Friedrichroda/Reinhardsbrunn von Einheiten der
III. US-Armee kampflos besetzt. Nur das Kurhaus, in dem Munition gelagert war,
wurde noch völlig zerstört. Kriegsschäden sowie Hunger und Not belastete die
Stadt.
Restauration und Neugestaltung
des denkmalgeschützten Schlosses mit Park bestimmten eine neue
Entwicklungsstufe. Die Zeit nach dem II. Weltkrieg ist geprägt von einer
traditionsbewussten Erneuerung bei
Achtung der heimatlicher Geschichte. In diesen historischen Gemäuern sollen
wieder Konferenzen, Empfänge, Versammlungen stattfinden und rauschende Feste
gefeiert werden.
1947 war im Schloß die Feuerwehrschule
des Landes Thüringen untergebracht worden. Es gab Überlegungen, den 1525 in
Eisenach geborgenen Gebeinen des Landgrafen Friedrich des Freudigen (gestorben
1324), die in der Schloßkapelle aufbewahrt wurden, eine würdige Ruhestätte zu
verschaffen.
1951 gab es Verhandlungen zwischen der
Wartburgstiftung Eisenach und dem Rat des Kreises Gotha, die Grabdenkmale der
Mitglieder der Landgrafenfamilie wieder in Reinhardsbrunn zu stationieren. Der
damalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Moritz
Mitzenheim, plädierte für den Standort in der Stadtkirche St. Georgen in
Eisenach. Diesem Vorschlag wurde entsprochen unter der Bedingung, dass der
Transport unter Beratung durch Landeskonservator Boecking zu erfolgen hatte. In
diesem Jahr wurde außerdem ab Mai das vom Rat des Kreises Gotha beim Amtsgericht
Waltershausen beantragte Bodenreformland von 6000 h für die Jugend GmbH Erfurt
übergeben. Dieses ehemalige herzogliche Gelände jenseits der Landstraße im
Norden des Schloßgeländes wurde von da ab von der Pionierorganisation "Ernst
Thälmann" in der DDR genutzt. Zuerst ein Zeltlager, dann mit festen Gebäuden
entstand hier das Zentrale Pionierlager
"Georgi Dimitroff".
1952 besteht erstmals ein von der
Binnenfischerei betriebener Bootsverleih (am Gondelteich) in Reinhardsbrunn.
1953 begann am 7. April der Bau einer
neuen Wasserleitung von 3 Quellen des Reinhards- Teiches für das Ortsnetz von
Friedrichroda. Es folgte der Bau einer Pumpstation. Im Mai des folgendes Jahres
konnte dann das frische Quellwasser in den damals wieder aufblühenden Ferienort
geleitet werden, eine Verbesserung, die nicht nur den Einwohnern, sondern auch
den immer zahlreicher werdenden Urlaubern und Ausflüglern zugute kam.
1957
Die DEFA macht Aufnahmen zum Märchenfilm
"Rapunzel" im Hof und im Schloss.
1961 fanden in
Friedrichroda / Reinhardsbrunn 68.394 Urlauber Erholung und Entspannung. Dazu kamen
noch viele Tagestouristen. Das ehemalige
herzogliche Jagd- und Lustschloß wurde vom Reisebüro der DDR als Renomierhotel
und Devisenbringer genutzt.
1962 erlebten die Friedrichrodaer und
ihre Gäste das 125jährige Jubiläum als Kur- und Erholungsort. Eine 19-köpfige
Kurkapelle sorgte damals für frohe Klänge in den Parks und Ferienheimen der
Gewerkschaften. Eine Trachtengruppe, der Männerchor und ein Mandolinenorchester
der Stadt brachten abwechslungsreiche Programme.
1963 erhielt Friedrichroda mit
Reinhardsbrunn durch den damaligen Bezirkstag Erfurt das Prädikat "Staatlich
anerkannter Erholungsort". Das war im damaligen Osten Deutschlands, der DDR, die
höchste Anerkennung für Gästebetreuung.
1974 wurde eine erste Restaurierung im
Schlosshotel mit erheblichem Kostenaufwand durchgeführt.
Damit gelangten Schloss und Park wieder zu einem neuen Anziehungspunkt. Nicht
nur als Tagungsstätte internationaler und nationaler (damit auch gesamtdeutscher
- trotz zweier deutscher Staaten) Kongresse und Symposien, vor allem aber auch
für Liebhaber gepflegter und gehobener Gastlichkeit. Im Ahnensaal finden
Konzerte statt und im Schloßhof wurden Kaffee-Nachmittage organisiert. Neueste
Attraktion im Schloß wurde die Gaststätte "Klosterkeller". Nicht weit entfernt
von Schloß und Park empfing das Parkhotel mit geschmackvollen Gasträumen seine
Gäste. Es war 1813 mit Bierbrauerei als "Gasthof Reinhardsbrunn" gebaut worden.
Beliebt zu dieser Zeit war die Bootsstation in unmittelbarer Nähe des Parkhotels
am Gondelteich. Unter Einbeziehung des Schlossparkes entwickelte sich hier ein
kleines Naherholungszentrum. Eine Bootsparty mitten im Thüringer Wald gestaltete
sich als Urlauberhöhepunkt. Im Ferienort Friedrichroda selbst war zu dieser Zeit
die Rekonstruktion der Perthes-Promenade mit rund 300.000 Mark der DDR auch zu
einer Naherholungsattraktion geworden.
1980 Friedrichroda/Reinhardsbrunn
registrierte 2900 Ferienplätze der Gewerkschaften in 7 Erholungsheimen und 7
Urlauberwohnheimen, davon sind rund 700 Privatunterkünfte.
1987 wurde in
Friedrichroda/Reinhardsbrunn das 150jährige Jubiläum als Erholungsort
gefeiert.
1989 steigern sich die politischen
Ereignisse zur Bankrotterklärung der DDR-Regierung. Am 9. November werden die
Grenzen zur BRD geöffnet.
1990 erfolgt die Wende zur deutschen
Wiedervereinigung. Die politischen Ereignisse dieses Jahres führen am 18. März
zu freien demokratischen Wahlen für die Volkskammer der DDR. Deutschlands
Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober dieses Jahres vollzogen.
1991 Am Reinhardsbrunner Schloß wurde
das Kavaliershaus nach dem Umbau eröffnet. Rund 600 Gäste monatlich wurden von
38 Mitarbeitern des Schlosshotels betreut. Damit, so der damalige Hoteldirektor
Klaus Kraft, sei eine Auslastung von 80 Prozent erreicht. Mit Hilfe eines 4
Millionen - Kredites war das Kavaliershaus durch polnische Restauratoren
restauriert worden. Noch ungeklärte Eigentumsverhältnisse belasteten noch das
Schlosshotel.
1992 hatte die Ressort -
Hotel-Gesellschaft das Schloss von der Treuhand gekauft, im Paket mit anderen Reisebüro-Hotels der DDR.
Im Außenbereich
wurde das Evangelische Stift Reinhardsbrunn mit einem Gottesdienst eröffnet.
1993 gründet sich in Friedrichroda im
April die "Verwaltungsgemeinschaft Reinhardsbrunn" mit
Friedrichroda/Reinhardsbrunn und den Gemeinden Finsterbergen und
Ernstroda /Cumbach. In den Mitgliedsorten leben zirka 8.650 Einwohner. Das gesamt
Gebiet umfaßt 3.659 ha, davon 2.041 ha Wald. Die
Stiftung "Der Herzog von
Sachsen-Coburg-Familien" hatte 1990
Antrag auf Rückführung der Ländereien (ehemaliges Kinderferienlager der DDR) im
Reinhardsbrunner Außenbereich gestellt. Damit wurde der geplante Bau eines
eigenen Schulungszentrums der Fleischer- Berufsgenossenschaft (FBG) in Frage
gestellt. Insgesamt waren das 843 ha, die diese Altansprüche des Adels
ausmachten. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, weil die Enteignung von 1945 -
1949 laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1991 rechts- kräftig
wurde. Das Parkhotel
wird wegen erheblicher Baumängel und evtl. bevorstehender Rekonstruktion
geschlossen.
1994 Erhielt die FBG den Zuspruch für
den Bau des Weiterbildungszentrums in Reinhardsbrunn. In diesem Jahr erfolgte
die Grundsteinlegung. Auf einem Areal von 45.000 Quadratmetern entstehen damit
ein Hörsaal, Seminarräume und 62 Teilnehmerzimmer. Bankkosten sind 34 Millionen
Mark. 2000 Lehrgangsteilnehmer jährlich finden damit optimale Bedingungen für
Wochen- oder Halbwochenkurse. Im Kavaliershaus wird der Frühstücksraum in der
obersten Etage zum öffentlichen Restaurant umgebaut.
Im Park von Reinhardsbrunn wird Heilwasser
gefunden, was den Antrag Friedrichrodas als Kneipp-Kurort fördert. Die Stadt
fördert den Bau einer Leitung über den Reinhardsberg sowie für die Abfüll-Firma
"Schloßquelle", die im Ortsausgang nach Ernstroda gebaut werden kann. Entsprechend dem Auftrag der Stadtverwaltung
Friedrichroda präsentiert Dr. Hans-Jörg Ruge vom Thüringer Staatsarchiv auf
Schloss Friedenstein in Gotha den ersten von vier Teilen der Stadtgeschichte.
Schwerpunkt im ersten Heft ist Reinhardsbrunn die Kloster- und Schloßgeschichte.
Dr. Ruge betonte besonders: "Friedrichroda kann nicht losgelöst von der
Geschichte Reinhardsbrunn betrachtet werden". Die erste Auflage (etwa 50 Seiten)
erschien mit 2000 Exemplaren. In diesem Jahr
wurde das Kavaliershaus selbständiges Hotel mit Restaurantbetrieb, nachdem es
seit 1992 bereits als Bettenhaus des Schlosses fungierte. 19 stilvoll
eingerichtete Zimmer bieten
individuellen Komfort.
1995 faßte die Synoda der evangelischen
Landeskirche am 23. März den Beschluß, das Grundstück des Stiftes Reinhardsbrunn
wieder zu veräußern. Bisher wurde das
Stift genutzt für die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen mit einem Teil
ihrer Zweigeinrichtungen, die Ländliche Heimvolkshochschule, das Pädagogisch -
Theologische Zentrum für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von
gemeindepädagogischen Mitarbeitern. Außerdem zur Aus- und Weiterbildung der
Pfarrvikare in der Ev.-Luth. Kirche Thüringens usw. Eine große Anzahl von
größeren und kleineren Tagungen und Konferenzen wurden seit 1992 durchgeführt.
Für die
weitere Schlossrestaurierung wurde mit einer Investitionssumme von rund 50
Millionen Mark die Baugenehmigung erteilt. Im Januar 1995 wurde das Schloss wegen bevorstehender
Renovierung geschlossen.
1997 werden im Hotel Kavaliershaus erste
Renovierungen und Verschönerungen vorgenommen. Es entsteht eine Hotelsuite im
romantischen Flair, die besonders bei Hochzeitsgästen beliebt ist und ein Bier-
und Kaffeegarten auf der Wiese neben dem Haus.
1998 hatte zum 1. Reinhardsbrunner PARKFEST der Verein "Neue Arbeit auf dem Lande in Thüringen e.V." (NALIT e.V.) in die
Parkanlagen des Stiftes Reinhardsbrunn
eingeladen. Unter dem Motto "Was entsteht neues in Reinhardsbrunn?" wurde
im Stift über Arbeit und Vorhaben gesprochen. Am 1. April konnten 25 neue
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnen, das Stift weiter zu profilieren zu
den Themen wie:
- Reinhardsbrunner
Klostergeschichte
- Kneipp -
Gesundheitszentrum
- Landschaftspark
Reinhardsbrunn
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1999 wurde am 14. April mit einem Großaufgebot von
Vertretern der Fleischindustrie, das neue Aus- und
Fortbildungszentrum für Arbeits- und Gesundheitsschutz der Fleischerei -
Berufsgenossenschaft Mainz (FBG) in Reinhardsbrunn eröffnet. Das Schulungszentrum
erhielt 60 Einzelzimmer und wird von elf Gastronomie- und Hotelfachkräften der
Region bedient. Anregung für den Standort kam von Fleischereiinnungsmeister
Rainer Koch aus Friedrichroda. Neben dem
Fischlehrpfad, der in Reinhardsbrunn bereits einige Jahre besteht und auch durch
den Schlosspark führt, wurde im Juni der Benediktinerpfad eingeweiht. Baubeginn
war im August des vergangenen Jahres. Ganz
traditionsbewußt hatten die Verantwortlichen der Kurgesellschaften Friedrichroda
und Tabarz sowie des Fremdenverkehrsvereins Waltershausen in einem gemeinsamen
Projekt entschieden, einem regionalen Rundwanderweg (15 Kilometer) den Namen der
Benediktiner zu geben. Schließlich gilt das Reinhardsbrunner Kloster als
bedeutende Stätte Thüringer Regionalgeschichte. Verbunden damit werden
touristische Sehenswürdigkeiten (komplett beschildert), sagenumwobene Orte aus
der Klosterzeit und Ausflugsziele. Die Einweihung erfolgte am Thüringer
Wandertag des Jahres 1999.
Am 31. Juli und 1. August veranstaltete das
Hotels Kavaliershaus im Schloßpark das 1.
Reinhardsbrunner SCHLOSSFEST statt. Hier hatte sich die "Ludowinger Tafelrunde
e. V." aus Eckardsberga in ihren historischen Kostümen mit Hof-, Tisch- und
Tafelsitten aus der Zeit Ludwig III. präsentiert. Eine reiche Gästezahl konnte
sich beim Hufeisenwerfen oder Bogenschießen versuchen und sich zum "Ritter
schlagen" lassen oder auch etwas über Wappenkunde erfahren. Außerdem gab es zu
reichhaltigem Speis und Trank auch Marktstände, Kinderkarussell und es wurden
Kutschfahrten und Ponyreiten angeboten. Den Höhepunkt des Jahres 1999 bildeten
die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel. Unter dem Motto: "Sagenhaftes Reinhardsbrunn - 1000 Jahre
Kloster - Schloss & Hotel" fand eine 4-tägige Kultur- und
Menüzeitreise statt, die jeweils einen der historischen Abschnitte darstellte.
Dieses war gewissermaßen ein kleiner Test für eine spätere glamouröse, mehrere Tage
andauernde Wiedereröffnung des Schlosshotels.
Literaturnachweis / Quellen zur
Reinhardsbrunner Chronik
1. Nach Veröffentlichungen des
Thüringischen Staatsarchivs Gotha, Schloß Friedenstein · Geheimes Archiv 00II Nr. 15a; Oberkonsistorium Spevialia, Am
Reinhardsbrunn Nr. 2; Kammerarchiv, Am Reinhardsbrunn Nr. 728;
Schloßhaupt- mannschaft Gotha Nr. 884, 897a, 964, 981; Oberhofmarschallamt Nr.
274, 275 627 - Landeskirchenarchiv Eisenach: A 880 II ·
F.X. Wegele: Anales Reinhardsbrunnenes, Jena 1854 ·
O. Posse: Die Reinhardsbrunner Geschichtsbücher, Leipzig 1872 ·
K Wenk: Zur Entstehung der Reinhardsbrunner Historien und der
Erfurter Peterschronik, in: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde, Band 10, Hannover 1884/85 ·
Cronica Reinhardsbrunnensis, hrsg. V. O. Holder Egger, in:
Monumenta Germaniae historica, SS, Band XXX/1, Hannover 1896, S. 490 - 656
2. "Kleiner Kunstführer" durch
Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum, Verlag
Schell und Steinert GmbH Regensburg 1996
3. 5000 Jahre Weltgeschichte, Die
Klosterregel des heiligen Benedikt, M. David Knowlers, S. 164, Verlag Wehling,
Were i. W.
4. Auf den Spuren Thüringer
Fürsten, Wilhelm Rausch, Lektoren Dr. Helga Rasche, Gotha und Dr. K. P Herr,
Gotha, Justus Perthes Verlag Gotha, 1. Auflage 1995
5. R. Jonscher: Kleine
thüringische Geschichte, Jenzig-Verg Köhler, Jena 1993
6. Ulrich Brunzel: Hitlers
Geheimobjekte im Thüringer Wald; J.-Jung-Verlag Zella-Mehlis; Suhl 1992
7. Forschungen zur Thüringischen
Landesgeschichte, Weimar 1958, S. 115 - 149
8. Mitteilungen der Vereinigung
für Gothaische Geschichte und Altertumsforschung 9 (1907), S. 63 - 73; Reste der
Reinhardsbrunner Bibliothek (nach Ehwald Rudolf)
9. Bau- und Kunstdenkmäler
Thüringes, Bd. 3, Heft 1, Jena 1891, S. 16 - 26 (Lefeld, Paul)
10. Annerose Reinhardt/Christel
Gräfenhahn: Friedrichroda (Rat der Stadt), Buchdruckerei Frank Schröeter,
Friedrichroda, 1987
11. Die Mitarbeiter des Hotels Kavaliershaus und ehemalige
Schlossbedienstete
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