| Ludwigs Politik zielte auf einen feudalen
Landesstaat Thüringen. Als Ludwig der Springer sich nach einem Ort für das
Kloster umsah, traf
er einen Töpfer namens Reinhard der bei
einem Brunnen ein Häuschen hatte. Eben jener sah nachts Lichter. Wo Sie
ihm erschienen waren entstand das Kloster. Daraus ergab sich der Name.
Benediktiner-Mönche siedelten sich an. Um das Kloster lebensfähig zu
machen stiftete der thüringische Graf den Mönchen 150 Bauernhöfe. Die
frommen Männer erbauten dann bald eine Mühle, eine Bäckerei, Brauerei, ein Vorratshaus Krankenhaus und Gärtnerei. Nahebei
finden wir noch heute die künstlich angelegten Teiche für die
Fischzucht. Reinhardsbrunn und Wartburg die Verkörperung von Geist und Macht
des Mittelalters in Thüringen, zeigten sich dann in enger Verflechtung bis
zu dem Tag, da Thomas Müntzers Anhänger das Kloster besetzten. Die Chronik
des Hauses bestätigt das. 1114 war Ludwig der Springer Gefangener der
Zentralgewalt. Bis zu seinem Tode 1123 weilte er in seinem Kloster als
Mönch. Das
Kloster wurde im Mittelalter zu einem der reichsten in deutschen Landen -
durch Kauf und Schenkung, aber auch durch manche getürkte Urkunde, was die Arbeit der
Historiker um die "Reinhardsbrunner Fälschungen" bereicherte. 1330 weilten
80 adlige Gäste im Kloster in dem Herzog Friedrich der Ernsthafte eine
Fürstenversammlung abhielt. Am 4. April 1521 klopfte Martin Luther ans
Tor. Auf der Reise nach Worms bat er um Nachlager. Vier Jahre später, acht
Tage vor dem Osterfest 1525, stürmten Bauern Reinhardsbrunn, zechten sich
eine Nacht lang Mut und Kraft an und schlugen dann zu. 24 Altäre und drei
Orgeln zersplitterten, die Bibliothek verbrannte und mit den Gebeinen der
Landgrafen trieben die Randalierer Schabernack. Das Kloster fand nie mehr zur alten Blüte
zurück. Ein Plan, es
nach dem Dreißigjährigen Krieg zum Sitz eines "Collegium Hunnianum" zur
Schlichtung theologischer Differenzen zu machen, scheiterte. Mit dem Bau eines Amtshauses durch Herzog
Friedrich Wilhelm 1. von Sachsen-Weimar beginnt 1601 ein neuer Abschnitt
in der Geschichte von Reinhardsbrunn. Die Teilung des Herzogtums Sachsen-Weimar und
deren Aussterben führte erneut 1825 zu einem Besitzwechsel. Zu dieser
Zeit ist auf den Grundmauern bereits ein Schloß errichtet, das Herzog
Ernst I. von Coburg Gotha 1828 an nach englischem Stil in seine heutige
Form bringen lässt: warmer Kalkstein mit neogotischen Fensterbögen, spitze
Türme und Schießscharten als Zierrat. Hoheiten kommen von weither, werden
als Verwandtschaft begrüßt, denn Ernst 1. galt als ,,der Schwiegervater
Europas". Sein Sohn Albert ehelichte 1840 seine Cousine Victoria die
damals schon Königin von England war. Sie verbrachte mehrere Sommerferien
in Reinhardsbrunn. Damals residierte Herzog Ernst II auf Reinhardsbrunn - ein leidenschaftlicher Jäger
der die deutsche Schützengesellschaft
gründete. Die Schönheit
der Umgebung und der Wildreichtum der Wälder lockten Adlige in das
Jagd- und Lustschloss nach Reinhardsbrunn. Bei einer großen Jagd im August
1845 befand sich unter den Gästen Königin Victoria und ihr Gatte aus
Großbritannien, der König von Belgien sowie Herzöge und Fürsten aus ganz
Mitteleuropa. Es war wie ein fürstlicher Taubenschlag. Bis zum Ausbruch
des II. Weltkrieges war Reinhardsbrunn Sommersitz. Jagd und Gästehaus der
herzoglichen Familie Sachsen-Coburg-Gotha. 1938 heiratete hier Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha den Prinzen Gustav Adolf von
Schweden. Im Dritten
Reich war die Anlage an die Reichskanzlei vermietet. In den letzten
Kriegstagen herrschte geschäftiges Treiben. Transporter kamen und fuhren -
irgendwohin. Die US-Army übernahm das Gebäude kampflos. Es
wurde den Russen als Lazarett überlassen. Später diente das Schloß als
Feuerwehr- und Polizeischule. 1961 wurde es als Hotel der "Reisebüros der DDR"
eröffnet. Die Wirtschaftsführer des Ostblocks tagten hier genauso wie Wissenschaftler
und Historiker aus aller
Welt. Nach dem Mauerfall war die Travel Hotel GmbH
Rechtsträger, später durch die Treuhandanstalt an die
Investorengesellschaft verkauft. Das Schloß Reinhardsbrunn ist ein historisches Baudenkmal, welches
mit großer Sachkenntnis gegenwärtig restauriert wird. Die Arbeiten werden
noch einige Jahre andauern und ein Hotelkomplex, mit mehreren Gebäuden in diesem wunderschönen Landschaftspark, wird
entstehen.
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